In 5000 Meter Höhe vom Tannheimer Tal nach Venezien
Ein kleines Abenteuer im Heißluftballon über den Alpenhauptkamm
Wir hatten die besten Bedingungen seit langem und waren bei unserem zweiten Versuch den Alpenhauptkamm mit einem Heißluftballon zu überqueren bestens ausgerüstet. Propangas, Funk- und Navigationsgeräte und eine sehr gute Wetterprognose vom Flugwetteramt in München/Innsbruck. Eine Vorbereitungszeit von ca. 24 Stunden wird benötigt um Ausrüstung, Wetterinformationen und Flugpläne aufzugeben. Am Startplatz bei Tannheim rüsten Piloten und drei Crew-Mitglieden Ballon auf und nach 30 Minuten ist alles zum Start bereit. Die Schnellkupplung trennt uns vom Boden, wir steigen mit drei Metern pro Sekunde in den leicht bewölkten Himmel auf. In 2000 Meter Höhe Funkkontakt mit München Radar und der Wind dreht in der Höhe auf Nordwestwind. Nach einer halben Stunde Steigzeit geht es in 5500 Metern ü.M. mit einer Geschwindigkeit von ca. 110 km/h in Richtung 165 Grad nach Süden. Ab 3500 Metern atmen wir zusätzlich noch Sauerstoff um einen klaren Kopf in der hier oben dünnen Luft zu behalten.
Wir überfahren die Lechtaler Alpen, es geht über Landeck, in Richtung Ortler in Südtirol. Die Sicht ist überwältigend mit 200km in jede Richtung. Der Kontakt zu unserer Crew ist 40 Minuten nach dem Start abgebrochen, was nicht stört, da zu Wien-Radar ein guter Kontakt besteht und wir die Helfer erst nach der Landung wieder benötigen. Wir sinken auf 5000 Meter, es ist nur 11 Grad kalt, da die Sonne Anfang März uns viel Wärme schenkt. Vom Gletscher überm Kaunertal haben wir nach Westen einen Blick bis zum Mont-Blanc und im Osten grüßt das Dachsteinmassiv und im Südosten die Dolomiten. "Dass ich das in meinem Leben erleben darf", sagt leise Copilot Bernhard und es wird still im Korb, wir genießen die Ruhe, die herrliche Berglandschaft und fahren vorbei an Ortler und Königsspitze in Richtung des Gardasees. Nach 2,5 Stunden sind wir über der Stadt Trento und steigen langsam tiefer, da jetzt die hohen Berge hinter uns liegen. In den unteren Höhen um 3000 m kommt leichter Westwind auf und wir fahren mit 30 km/h das Brenta-Tal entlang. Vor uns im Dunst liegt Venedig und die Reise wird am südlichen Rand der Alpen zuende gehen. Nach über 4 Stunden Traumfahrt landen wir auf einer Wiese in Thiene bei Viacenca.
Der Landwirt empfängt uns freundlich mit Glühwein und italienischem Redeschwall. Er will wissen woher, wie lange unterwegs und ob wir mit dem Ballon jetzt wieder zurückfahren. Schön wäre es, so warten wir noch ca. 3 Stunden bis die Balloncrew per Handy und GPS-Navigation unseren Landeort ausfindig gemacht hat und dann alle Ausrüstung in den Anhänger verstaut wird. Der Abend klingt mit viel Erzählungen im Hotel-Restaurant aus. Am nächsten Morgen wird eine Ortsbesichtigung und ein Einkaufsbummel gemacht und nach sieben Stunden Autofahrt sind wir überglücklich und zufrieden wieder in Friedrichshafen eingetroffen.